ChatGPT oder Claude: Nach welchen Kriterien der Mittelstand entscheidet
Preis und Datenschutz sind fast gleich. Den Unterschied machen Anbindung, Rechte und Verwaltung. Fünf Kriterien für die Lizenzentscheidung.

KI-generiertDas Budget für das zweite Quartal ist freigegeben, jetzt liegt die Frage auf dem Tisch: ChatGPT oder Claude? Vielleicht kennen Sie die Lage. Einige im Team nutzen privat schon das eine Werkzeug, andere schwören auf das zweite. Und irgendwer schickt eine Benchmark-Tabelle, in der mal dieses, mal jenes Modell vorne liegt.
Unsere Einschätzung: Die Benchmark-Tabelle hilft bei dieser Entscheidung wenig. Beide Anbieter liefern für Texte, Zusammenfassungen und Recherche Modelle, die für den Büroalltag gut genug sind. Die Unterschiede, die im Betrieb zählen, stehen woanders: im Vertrag, in den Konnektoren zu Ihren Systemen und in der Verwaltungsoberfläche.
Dieser Beitrag vergleicht die Firmentarife ChatGPT Business und Claude Team nach festen Kriterien. Alle Preis- und Funktionsangaben haben den Stand: April 2026.
Aktualisierung Oktober 2026
Seit diesem Beitrag haben sich einige Angaben geändert. OpenAI bietet für ChatGPT Business inzwischen Premium-Plätze für 100 US-Dollar pro Monat bei Jahreszahlung an, der Standard-Preis blieb gleich (OpenAI Help Center). Claude Team ist nun ab zwei Plätzen buchbar (Anthropic-Preisseite, abgerufen am 13.10.2026). Der Microsoft-365-Konnektor von Claude kann nach Freigabe durch die Admins inzwischen auch Mails senden und Dateien anlegen (Claude Help Center).
Was die Firmentarife kosten
Seit dem 2. April 2026 kosten ChatGPT Business und Claude Team in der Grundausstattung dasselbe. OpenAI hat den Preis für einen Standard-Platz zu diesem Datum um 5 US-Dollar gesenkt, laut OpenAI Help Center auf 20 US-Dollar pro Nutzer und Monat bei Jahreszahlung und 25 US-Dollar bei monatlicher Zahlung. Anthropic verlangt laut Preisseite für einen Standard-Platz in Claude Team ebenfalls 20 bzw. 25 US-Dollar, jeweils zuzüglich Steuern.
pro Nutzer/Monat bei Jahreszahlung, ab 2 Nutzern (Stand: April 2026)
pro Platz/Monat bei Jahreszahlung, 5 bis 150 Plätze (Stand: April 2026)
Unterschiede gibt es an den Rändern:
- Mindestgröße: ChatGPT Business startet ab zwei Nutzern, Claude Team ist laut Preisseite für Teams von 5 bis 150 Personen gedacht.
- Mehr Kapazität: Claude Team bietet zusätzlich einen Premium-Platz für 100 US-Dollar pro Monat bei Jahreszahlung, mit fünfmal so viel Nutzung wie ein Standard-Platz (Preisseite). Bei ChatGPT Business gibt es im April keinen vergleichbaren Platz.
- Enterprise: OpenAI nennt für ChatGPT Enterprise keinen Listenpreis (Preisseite). Anthropic berechnet für Claude Enterprise 20 US-Dollar pro Platz plus die tatsächliche Nutzung zu API-Preisen.
Zum Vergleich, ohne Wertung: Microsoft 365 Copilot Business für Unternehmen bis 300 Nutzer listet Microsoft auf seiner deutschen Seite mit 18,20 Euro pro Nutzer und Monat bei Jahresabrechnung, zuzüglich Mehrwertsteuer. Voraussetzung ist eine Microsoft-365-Lizenz. Copilot arbeitet direkt in Word, Outlook und Teams. Für Unternehmen, die tief in Microsoft 365 arbeiten, gehört diese Option deshalb mit auf die Liste.
Datenschutz und Vertrag: In der Grundausstattung fast gleich
Bei den Punkten, die Geschäftsführungen zuerst fragen, unterscheiden sich die beiden Firmentarife wenig:
- Kein Training mit Firmendaten: OpenAI sagt für ChatGPT Business zu, nicht mit den Daten des Arbeitsbereichs zu trainieren (Help Center). Anthropic schreibt für Claude Team „No model training on your content by default“ (Preisseite).
- Auftragsverarbeitungsvertrag: Bei OpenAI gilt das Data Processing Addendum in der Fassung ab 1. Januar 2026. Vertragspartner für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum ist OpenAI Ireland Ltd. Bei Anthropic ist der Vertrag samt Standardvertragsklauseln automatisch Teil der kommerziellen Nutzungsbedingungen.
- Speicherort: Hier liegt ein echter Unterschied, aber nicht zugunsten der Einstiegstarife. Anthropic speichert Daten laut Privacy Center in den USA. OpenAI bietet Speicherung in Europa nur für neue Enterprise- und Edu-Arbeitsbereiche, nicht für ChatGPT Business.
- Zertifikate: OpenAI nennt für Business ein SOC-2-Type-2-Testat. Anthropic führt SOC 2, ISO 27001 und ISO 42001 im Privacy Center auf.
Wichtig: Ein Auftragsverarbeitungsvertrag ist die Voraussetzung, nicht der Abschluss der Datenschutzprüfung. Welche Daten Ihre Mitarbeitenden eingeben dürfen, regelt kein Anbieter für Sie. Das ist eine eigene Entscheidung, die wir im Mai-Beitrag ausführlicher behandeln.
Der eigentliche Unterschied: Anbindung an Ihre Systeme
Eine KI, die nur das kennt, was jemand ins Chatfenster kopiert, bleibt ein besseres Textprogramm. Der Nutzen wächst, wenn sie in Ablage, Postfach und CRM nachsehen darf. Genau hier unterscheiden sich die beiden Tarife im April deutlich.
| Kriterium | ChatGPT Business | Claude Team |
|---|---|---|
| Microsoft 365 | Apps für SharePoint, Outlook, Teams u. a. | Konnektor für SharePoint, OneDrive, Outlook, Teams |
| Lesen oder Schreiben | Je App einstellbar: alle Aktionen, nur lesen oder Auswahl | Microsoft 365 nur lesend |
| Rechte | Anmeldung mit eigenem Konto je Nutzer | Nur Daten, die der Nutzer selbst sehen darf |
| Voreinstellung | Apps bei Business standardmäßig aktiv | Owner muss Konnektor freischalten |
| Eigene Anbindungen (MCP) | Möglich, Admin entscheidet | Möglich, Admin entscheidet |
Quellen: OpenAI Help Center „Apps in ChatGPT“, Claude Help Center „Microsoft 365 connector“, Stand: April 2026.
Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, über den eine KI mit anderen Programmen spricht. Beide Anbieter unterstützen ihn. Für Systeme ohne fertigen Konnektor, etwa eine Branchensoftware, ist das der Weg zur Anbindung. Für CRM-Systeme gibt es teils fertige Lösungen: HubSpot hat Konnektoren für ChatGPT (Juni 2025) und Claude (Juli 2025) veröffentlicht.
Voreinstellungen prüfen
Bei ChatGPT Business sind Apps laut OpenAI standardmäßig eingeschaltet. Wer das nicht will, muss sie in den Arbeitsbereich-Einstellungen gezielt einschränken. Bei Claude Team ist es umgekehrt: Der Microsoft-365-Konnektor funktioniert erst, wenn der Owner ihn freischaltet und ein Microsoft-Administrator zustimmt. Beides ist eine Frage der Gewohnheit, nicht der Sicherheit an sich. Entscheidend ist, dass jemand die Einstellungen bewusst setzt.
Verwaltung: Was die Einstiegstarife nicht können
Beide Einstiegstarife bringen die Grundausstattung mit, die viele kleinere Unternehmen brauchen: Single Sign-on, zentrale Abrechnung, Nutzerverwaltung und Nutzungsstatistiken sind enthalten (OpenAI-Preisseite, Anthropic-Preisseite).
Was beiden fehlt, steht in der Enterprise-Spalte:
- SCIM, also das automatische Anlegen und Sperren von Nutzern aus dem Firmenverzeichnis
- Audit-Logs und Compliance-Schnittstelle, mit denen sich nachvollziehen lässt, wer was eingegeben hat
- Einstellbare Aufbewahrungsfristen für Chats
- Feine Rollenrechte, etwa ein Konnektor nur für die Buchhaltung
Wenn Ihr Datenschutzbeauftragter oder Ihre Branche diese Punkte verlangt, ist die Frage nicht mehr ChatGPT oder Claude, sondern Einstiegs- oder Enterprise-Tarif. Das verändert Budget und Mindestgröße erheblich.
Wiederkehrende Arbeit: Projekte, GPTs und Skills
Beide Tarife bieten Werkzeuge, um gute Anleitungen nicht jedes Mal neu zu tippen. In ChatGPT Business sind das Projekte, eigene GPTs, die sich im Arbeitsbereich teilen lassen, und Skills als Beta (Preisseite). Claude Team bietet geteilte Projekte und Skills, die Admins für die ganze Organisation bereitstellen können (Preisseite).
In der Praxis unterscheiden sich die Konzepte im Detail, aber nicht im Prinzip: Eine bewährte Anleitung für Angebote, Protokolle oder Kundenanfragen wird einmal gebaut und von allen genutzt. Wie gut das gelingt, hängt mehr von der Anleitung ab als vom Werkzeug.
Fünf Fragen vor der Lizenzentscheidung
- Wo liegt Ihr Wissen? Wenn Ablage und Mail in Microsoft 365 liegen, prüfen Sie den Konnektor des jeweiligen Anbieters mit einem Testkonto. Reicht Lesen, oder soll die KI auch Entwürfe anlegen?
- Wie viele Personen starten? Bei unter fünf Nutzern passt Claude Team im April nicht. Bei vielen Vielnutzern lohnt der Blick auf Premium-Plätze.
- Was verlangt Ihr Datenschutz? Wenn Speicherung in der EU oder Audit-Logs Pflicht sind, kommen die Einstiegstarife beider Anbieter nicht in Frage.
- Was nutzen Ihre Leute schon? Ein Werkzeug, das viele bereits privat kennen, senkt die Schulungshürde. Das ist ein legitimes Argument, kein Bauchgefühl.
- Wie leicht ist der Wechsel? Preise und Pakete ändern sich schnell, wie die Preissenkung im April zeigt. Halten Sie Anleitungen und Vorlagen so, dass sie auch beim anderen Anbieter funktionieren.
Ein begrenzter Test mit einer kleinen Gruppe und echten Aufgaben aus Ihrem Alltag sagt mehr als jede Tabelle. Beide Anbieter erlauben monatliche Zahlung, das hält den Test überschaubar. Legen Sie vorher fest, woran Sie den Erfolg messen.
Häufig gestellte Fragen
Sie stehen vor der Wahl zwischen ChatGPT, Claude oder Copilot? Sprechen Sie mit uns über die Kriterien, die für Ihr Unternehmen zählen.
Über den Autor

Sascha Seniuk
Mitgründer & Technical Lead
Mit über 20 Jahren IT-Erfahrung – vom Systemadministrator bis zum KI-Experten – navigiert Sascha mittelständische Unternehmen durch LLM-Ops, RAG-Pipelines und Workflow-Automatisierung. Als externer KI-Manager macht er künstliche Intelligenz für den Mittelstand greifbar und nutzbar.